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Bienenstand Sood 36 in Adliswil

In den kalten Tagen des Winters geht es bei den Bienen ums nackte Überleben. Als Imker habe ich alles getan, um sie auf die kalten Tage vorzubereiten. Dies fängt schon im Sommer nach der Honigernte mit dem Auffüttern und einer ersten Behandlung gegen die Varroamilbe an. Nun kurz vor der Wintersonnenwende pflegen die Bienen keine Brut mehr, so dass ich eine letzte und besonders wirkungsvolle Behandlung durch Verdampfen von Oxalsäure machen konnte. Wenn durch die Massnahmen das Volk gross genug bleibt, können sich die Bienen gegenseitig wärmen, indem sie sich eng zu einer Bienentraube zusammen rücken. In der Mitte der Traube sitzt die Königin und lässt es sich bei angenehmen 25° C gut gehen. Sterben zu viele Bienen im Laufe des Winters, erfriert das gesamte Volk. Aktuell leben noch alle Völker, allerdings sind einige schon stark geschwächt. Nach der Frühjahrskontrolle Ende Februar Anfang März weiss ich mehr und lass es Euch an dieser Stelle wissen.

Die Landi in Adliswil bietet lokale Produkte direkt von Produzenten rund um ihren Standort und der Region an. Daher musste unser Honig ins Angebot, da er direkt auf dem Dach des Gewerbezentrums Sood 36, in dem auch die Landi/Adliswil zu finden ist, produziert wird.

Landi Logo

Erst einmal sind alle Honige flüssig.

Entnimmt man den Bienen den Honig aus ihren Waben, ist er grundsätzlich erst einmal flüssig. Doch ebenso grundsätzlich wird jeder Honig über kurz oder lang einmal fest, wenn er nicht vorher verspeist wird. Der Grund dafür ist, dass Honig je nach Sorte früher oder später anfängt, Kristalle auszubilden. Dies ist kein Hinweis darauf, dass er verdorben wäre, sondern ein ganz natürlicher Prozess, in dem überschüssiger Zucker auskristallisiert wird.

Rühren für köstliche Cremigkeit

Lässt man den Honig ungestört vor sich hin kristallisieren, entstehen recht große Kristalle. Will der Imker einen cremigen Honig haben, muss er deshalb fleißig sein und rühren, rühren, rühren. So werden die großen Kristalle aufgebrochen und gleichmäßig im gesamten Honig verstreut, sodass die Kristallisation gleichmäßiger abläuft, kleinere Kristalle entstehen und der Honig so wunderbar cremig und streichfähig wird.

Die Honigbiene überwintert nicht wie die meisten ihrer Verwandten, die Wildbienen und Wespen als Larve, sondern als komplettes Volk. D.h. die Bienen kuscheln sich in einer Wintertraube zusammen, mit der Königin in der Mitte,  um sich gegenseitig zu wärmen. Zu diesem Thema gibt es diverse interessante Artikel im Internet, wie  Was machen Bienen im Winter? oder auch Was machen Honigbienen im Winter? im Internet.

Daher möchte ich nur kurz darauf eingehen, wie es unseren Bienen diesen Winter 2021/22 geht. Die gute Nachricht vorab ist, dass alle Völker noch leben und eine gute Chance die haben, die kältesten Tage des Winters auch zu überleben. Dies schliesse ich aus der Volksgrösse und der Belastung durch die Varroamilbe. Da ich das Volk in dieser kritischen Zeit im Jahr nicht stören möchte, ziehen wir Imker solche Schussfolgerung aus der Diagnose der Varroa-Unterlage oder auch Bienenwindel genannt.  Die Bienen laufen im Stock auf einem Gitter unter dem eine herausnehmbare Unterlage liegt.

Auf dieser Unterlage befinden sich durch eine vorangegangene Behandlung 56 Varroamilben und das Volk sitzt in 6-7 Wabengassen und ist das grösste am Stand Sood 36

Dadurch fällt das sogenannte Gemüll auf die Unterlage. Unter anderem fallen auch die abgestorbenen Milben auf die Unterlage und werden von mir gezählt. Fallen mehr als eine Milbe/Tag ist die Milbenbelastung zu hoch und ich behandle das Volk durch Verdampfen von Oxalsäure. Dies schadet den Bienen kaum, tötet aber die Milben, die auf den Bienen sitzen. Auch die Volksgrösse kann man anhand der Menge des Gemülls abschätzen. Bei milden Temperaturen (> 10° C) gehen die Bienen auch raus, um ihre Kotblase zu leeren:

Treiben am Flugloch (10.01.2022)
Reges Treiben am Flugloch am 01.01.2022

Das Jahr 2021 war in Bezug auf Honigertrag eines zum Vergessen. Nach erheblichen Völkerverlusten im Winter 20/21 (Link) folgte ein total verregnetes Frühjahr 2021. Bei Regen fliegen die Bienen nicht und bei Temperaturen unter 15° C fließt auch kein Nektar. Die Folge war ein Totalausfall der ersten Honigernte, die üblicherweise im Mai stattfindet.
Das bisschen Honig, dass die Bienen sammelten, haben sie für Ihren eigenen Bedarf verbraucht. 2 Monate später, Mitte Juli, konnte etwas Honig geerntet werden, wobei der Ertrag der Mühe kaum wert war.

Stattdessen konnten sich die Bienen und der Imker um den Nachwuchs kümmern. Dies hat sich ausgezahlt, da mittlerweile 9 junge und vitale Völker, d.h. alle Königinnen sind in 2021 geboren, den Bienenstand am Uetlihof bevölkern. Um die "Bude" voll zu bekommen fehlt nur noch ein Volk. 10 sogenannte Schweizerkästen stehen am Uetlihof zur Verfügung. Dieses wird noch auf meinem Jungvolkstand bis zum Frühling ausharren, da es noch etwas Pflege braucht, um mit den anderen mithalten zu können. Somit sind die Vorrausetzungen in 2022 eine gute Honigernte zu erwirtschaften gegeben.

Die weiß (Farbe für 2021) markierte Königin legt im Frühjahr 1000 Eier, sogenannte Stifte, und mehr pro Tag in die Zellen der Brutwabe. Nach 3 Tagen schlüpft daraus die Made. Weitere 5 Tage später wird die Zelle mit einem Wachsdeckel verschlossen (verdeckelt). Nach insgesamt 21 Tagen ab Eilage schlüpft die Biene aus der Zelle.